Pilz-Lebensraumkarte Deutschland

Wo könnten Steinpilze, Pfifferlinge oder Maronenröhrlinge in Deutschland wachsen? Die MushroomID Pilz-Lebensraumkarte verbindet Wald- und Bodendaten mit realen Pilzbeobachtungen und hilft dabei, potenziell geeignete Lebensräume verschiedener Arten zu erkunden.

Im Unterschied zu klassischen Verbreitungskarten zeigt die Karte nicht nur Orte, an denen Pilze bereits dokumentiert wurden. Zusätzlich werden Waldgebiete hervorgehoben, deren Baumarten und Bodenbedingungen zu den ökologischen Ansprüchen einer ausgewählten Pilzart passen könnten.

Wie funktioniert die Pilzkarte?

Für die Karte werden mehrere Arten von Umweltdaten miteinander kombiniert. Dadurch lässt sich einschätzen, welche Waldgebiete für bestimmte Pilzarten grundsätzlich geeignete Bedingungen bieten könnten.

Berücksichtigt werden unter anderem die vorhandenen Baumarten. Die Waldklassifikation basiert auf Satellitendaten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und unterscheidet beispielsweise Kiefern, Fichten, Buchen, Eichen und Birken.

Zusätzlich fließen Bodeneigenschaften ein. Dazu gehören unter anderem pH-Wert, Sand- und Tonanteil sowie der Gehalt an organischem Kohlenstoff.

Ein experimentelles Habitatmodell kombiniert diese Informationen mit bekannten ökologischen Beziehungen der jeweiligen Pilzart. Auf diese Weise entstehen Flächen mit unterschiedlicher relativer Habitat-Eignung.

Was bedeuten die farbigen Flächen?

Die Karte unterscheidet drei relative Stufen der Habitat-Eignung:

  • geringer geeignet
  • mäßig geeignet
  • höher geeignet

Diese Einstufung beschreibt ausschließlich, wie gut Baumarten und Bodenbedingungen zum Modell der jeweiligen Pilzart passen. Sie ist keine Wahrscheinlichkeit dafür, dass an einem bestimmten Punkt tatsächlich Pilze wachsen.

Ein hervorgehobener Wald kann also geeignete ökologische Voraussetzungen besitzen, obwohl dort bisher kein Fund dokumentiert wurde. Umgekehrt können Pilze auch außerhalb der vom Modell hervorgehobenen Flächen vorkommen.

Welche Pilzarten sind auf der Karte verfügbar?

Aktuell können sechs Pilzarten ausgewählt werden, die in Deutschland weit verbreitet oder für Pilzsammler besonders interessant sind.

Steinpilz – Boletus edulis

Der Steinpilz lebt in Mykorrhiza mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen. Auf der Karte werden geeignete Waldtypen und Bodenbedingungen kombiniert, um potenziell interessante Gebiete sichtbar zu machen.

Mehr über seine Bestimmung findest du unter Steinpilz bestimmen: Merkmale und Verwechslungspartner.

Kiefern-Steinpilz – Boletus pinophilus

Der Kiefern-Steinpilz ist besonders mit Nadelbäumen verbunden und wird häufig bei Kiefern gefunden. Seine ökologische Bindung macht Baumartendaten für die Habitatmodellierung besonders interessant.

Maronen-Röhrling – Imleria badia

Der Maronen-Röhrling ist ein häufiger Pilz in Nadel- und Mischwäldern. Besonders saure Böden und Nadelbaumbestände können für die Suche relevant sein.

Birkenpilz – Leccinum scabrum

Der Birkenpilz ist eng an Birken gebunden. Gebiete mit entsprechenden Baumbeständen lassen sich deshalb über die Karte gezielt erkunden.

Pfifferling – Cantharellus cibarius

Pfifferlinge bilden Mykorrhiza mit verschiedenen Baumarten und bevorzugen bestimmte Wald- und Bodenbedingungen. Die Karte zeigt Regionen, in denen diese Faktoren besonders gut zusammenpassen.

Butterpilz – Suillus luteus

Der Butterpilz gehört zu den typischen Begleitern von Kiefern. Besonders junge Kiefernbestände können interessante Standorte sein.

Weitere charakteristische Arten findest du in unserem Artikel Pilze unter Kiefern: 15 häufige Arten in Deutschland.

Mehr als 4.000 reale Pilzbeobachtungen

Neben den berechneten Habitatflächen zeigt die Karte auch reale dokumentierte Pilzfunde. Aktuell umfasst der Datensatz 4.419 Beobachtungen aus zwei großen Biodiversitätsplattformen.

Ein Teil stammt aus der Global Biodiversity Information Facility (GBIF). Dort werden Biodiversitätsdaten von wissenschaftlichen Einrichtungen, Museen, Forschungsprojekten und Citizen-Science-Plattformen zusammengeführt.

Zusätzlich verwendet MushroomID geeignete Forschungsbeobachtungen aus iNaturalist. Dabei werden nur Datensätze berücksichtigt, für die ausreichend genaue öffentlich verfügbare Koordinaten und geeignete Nutzungsrechte vorhanden sind.

Der derzeitige Datensatz kombiniert 4.120 zuvor ausgewählte GBIF-Beobachtungen mit 299 zusätzlichen iNaturalist-Funden, die beim Import nicht als Duplikate erkannt wurden.

Was bedeuten die schwarzen Punkte?

Schwarze Marker auf der Karte stehen für dokumentierte Pilzbeobachtungen. Durch Anklicken eines Punktes können die verfügbaren Informationen zum jeweiligen Fund angezeigt werden.

Die Beobachtungen lassen sich außerdem nach Jahr filtern. Dadurch kann beispielsweise untersucht werden, ob eine Art in einer Region bereits mehrfach oder erst in einzelnen Jahren dokumentiert wurde.

Habitatflächen und Fundpunkte sind dabei zwei voneinander unabhängige Ebenen. Ein dokumentierter Fund muss nicht innerhalb einer hervorgehobenen Habitatfläche liegen, und eine geeignete Habitatfläche muss nicht zwangsläufig bekannte Beobachtungen enthalten.

Welche Daten verwendet die Karte?

Die Grundlage der Karte bilden mehrere Datensätze mit unterschiedlicher räumlicher Auflösung.

Baumarten

Für die Baumartenverteilung wird Tree Species Germany 2022 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt verwendet. Die satellitengestützte Klassifikation besitzt eine räumliche Auflösung von etwa zehn Metern.

Dadurch können größere Waldbestände nach dominierenden Baumarten unterschieden werden. Für Pilze mit enger Bindung an bestimmte Mykorrhizapartner ist diese Information besonders wertvoll.

Bodeneigenschaften

Informationen zu Böden stammen aus ISRIC SoilGrids. Der globale Datensatz stellt modellierte Bodeneigenschaften mit einer Auflösung von ungefähr 250 Metern bereit.

Für MushroomID werden unter anderem Boden-pH, Sand- und Tonanteil sowie organischer Kohlenstoff berücksichtigt. Diese Faktoren beeinflussen, welche Pilzarten an einem Standort geeignete Bedingungen finden können.

Pilzbeobachtungen

Dokumentierte Vorkommen stammen aus GBIF und iNaturalist. Sie ermöglichen es, reale Funddaten neben den modellierten Habitatflächen darzustellen.

Die Dichte dieser Beobachtungen ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Gebiete mit vielen aktiven Beobachtern oder häufiger besuchten Wäldern besitzen naturgemäß mehr dokumentierte Funde als wenig untersuchte Regionen.

Wie zuverlässig ist die Habitatprognose?

Das verwendete Habitatmodell ist experimentell. Es wurde bislang nicht unabhängig als zuverlässiges Vorhersagemodell für tatsächliche Pilzvorkommen validiert.

Die Karte sollte deshalb vor allem als Werkzeug zur geografischen Erkundung verstanden werden. Sie kann zeigen, wo interessante Kombinationen aus Baumarten und Bodenbedingungen auftreten, liefert aber keine Garantie für einen Fund.

Für das tatsächliche Wachstum spielen viele weitere Faktoren eine Rolle. Besonders wichtig sind aktuelle Niederschläge, Temperatur, Jahreszeit, lokale Feuchtigkeit und zahlreiche kleinräumige ökologische Bedingungen.

Ein Gebiet mit sehr geeigneten Baum- und Bodendaten kann deshalb während einer Trockenperiode nahezu pilzfrei sein. Nach ergiebigem Regen kann sich die Situation innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern.

Warum fehlen manche bekannten Pilzstellen?

Die schwarzen Fundpunkte zeigen nur dokumentierte Beobachtungen aus den verwendeten Datenquellen. Sie stellen keine vollständige Erfassung aller Pilzvorkommen in Deutschland dar.

Viele Pilzsammler melden ihre Funde nicht an öffentliche Biodiversitätsdatenbanken. Andere Regionen werden häufiger von Naturbeobachtern besucht und erscheinen dadurch auf einer Karte datenreicher.

Auch die Genauigkeit der veröffentlichten Koordinaten kann variieren. Bei sensiblen Arten oder bestimmten Plattformen können Fundorte zudem absichtlich weniger exakt dargestellt werden.

Ein Wald ohne schwarze Punkte ist daher keineswegs automatisch ein schlechter Pilzstandort.

Wie kann man die Pilzkarte nutzen?

Die Karte eignet sich besonders dazu, größere Regionen vor einer Tour miteinander zu vergleichen. Wer beispielsweise nach Steinpilzen sucht, kann Gebiete ansehen, in denen passende Baumarten und Bodeneigenschaften zusammenkommen, und zusätzlich prüfen, ob aus der weiteren Umgebung bereits Beobachtungen bekannt sind.

Auch für die Pilzbestimmung kann der Standort ein zusätzlicher Hinweis sein. Ein Fund unter Kiefern passt zu anderen Arten als ein ähnlich aussehender Pilz unter Birken oder Eichen.

Wer einen unbekannten Pilz gefunden hat, kann ihn anschließend über Pilz bestimmen per Foto eingrenzen. Standortdaten können dabei helfen, vorgeschlagene Arten besser zu vergleichen.

Die Karte zeigt Lebensräume, keine Fundgarantie

Die wichtigste Einschränkung der Karte besteht darin, dass geeigneter Lebensraum und tatsächliches Pilzwachstum zwei verschiedene Dinge sind.

Ein Pilz benötigt nicht nur passende Bäume und einen geeigneten Boden. Das unterirdische Myzel muss am jeweiligen Standort vorhanden sein, und zusätzlich müssen Wetter und Jahreszeit die Bildung von Fruchtkörpern ermöglichen.

Die Habitatkarte sollte deshalb eher wie eine ökologische Orientierungskarte genutzt werden. Sie kann helfen, interessante Wälder zu entdecken und Zusammenhänge zwischen Pilzen, Bäumen und Böden besser zu verstehen.

Pilz gefunden? Art per Foto bestimmen

Wenn du auf deiner Tour einen unbekannten Pilz findest, fotografiere möglichst den vollständigen Fruchtkörper, seine Hutunterseite, den Stiel und die unmittelbare Umgebung. Gerade die Baumarten am Fundort können wichtige zusätzliche Hinweise liefern.

Mit MushroomID kannst du das Foto anschließend analysieren und mögliche Arten vergleichen.

Eine automatische Bilderkennung dient dabei als Unterstützung bei der Bestimmung. Sie sollte niemals allein verwendet werden, um zu entscheiden, ob ein wild gesammelter Pilz essbar ist.

Wichtige Hinweise für die Nutzung

Die Karte ist kein Werkzeug zur Beurteilung der Essbarkeit eines Pilzes. Habitatdaten und dokumentierte Beobachtungen können bei der Suche und Einordnung helfen, ersetzen aber keine sichere Artbestimmung.

Beim Erkunden von Wäldern sollten außerdem Naturschutzgebiete, lokale Sammelbestimmungen, Privatgrundstücke und empfindliche Lebensräume respektiert werden. Nicht überall ist das Sammeln von Pilzen erlaubt oder uneingeschränkt möglich.

Die MushroomID Pilz-Lebensraumkarte Deutschland ist ein experimentelles Werkzeug zur Erkundung möglicher Pilzlebensräume und real dokumentierter Beobachtungen.

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